Hanoi sucht mehr Fachkräfte – Fremdsprachen allein reichen nicht aus
Autor: Provimedia GmbH
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Hanoi verzeichnet 2026 eine steigende Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften; Sprachkenntnisse allein reichen nicht, gefragt sind zusätzlich praktische und soziale Kompetenzen.
Hanoi: Nachfrage nach Fachkräften steigt
Im dritten Quartal 2026 entfielen in Hanoi 52,7 % der offenen Stellen auf Berufe mit mittlerer und hoher technischer Expertise. Das geht aus dem Arbeitsmarktausblick für Studenten 2026 des Arbeitsvermittlungszentrums Hanoi hervor, dessen zweite Ausgabe von Vietnam.vn aufgegriffen wurde.
Der Bericht beschreibt ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage nach Qualifikationsniveau. 36,1 % der gesamten Nachfrage richteten sich demnach an Arbeitskräfte mit mittlerem Bildungsabschluss und Hochschulabschluss, während der Anteil der Arbeitssuchenden mit Grundschul-, mittlerem Bildungsabschluss und Hochschulabschluss lediglich 14,9 % betrug.
Das Arbeitsvermittlungszentrum analysierte 4.492 offene Stellen für Fachkräfte mit mittlerem Bildungsabschluss und Hochschulabschluss. 52,7 % dieser Stellen entfielen auf technische und akademische Berufe im mittleren und höheren Managementbereich.
Auch beim Einkommen zeigt sich laut Bericht eine starke Nachfrage nach qualifizierten Kräften: 70,3 % der Stellen in dieser Gruppe boten ein Gehalt von mindestens 10 Millionen VND pro Monat. Vietnam.vn wertet dies als Hinweis auf den Bedarf der Unternehmen an Fachkräften mit praktischen Fähigkeiten und der Fähigkeit, fachliche Anforderungen zu erfüllen.
| Arbeitsmarktdaten in Hanoi | Wert |
|---|---|
| Anteil offener Stellen für Berufe mit mittlerer und hoher technischer Expertise | 52,7 % |
| Anteil der Nachfrage nach Arbeitskräften mit mittlerem Bildungsabschluss und Hochschulabschluss | 36,1 % |
| Anteil der Arbeitssuchenden mit Grundschul-, mittlerem Bildungsabschluss und Hochschulabschluss | 14,9 % |
| Analysierte offene Stellen | 4.492 |
| Stellen mit einem Gehalt von mindestens 10 Millionen VND pro Monat | 70,3 % |
Die Rekrutierungsstruktur hat sich ebenfalls verändert. Der Anteil der Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften sank von 26,5 % im ersten Quartal 2026 auf 19 % im dritten Quartal 2026, während die Nachfrage nach Arbeitskräften mit mittlerem, Hochschul- und Universitätsabschluss tendenziell zunahm.
Besonders die Elektronikindustrie, das Bauwesen und der Infrastrukturbereich, die Logistik, der Einzelhandel sowie der Dienstleistungssektor benötigen weiterhin Fachkräfte mit spezialisierten Qualifikationen. In der Elektronikindustrie wurde ein Anstieg von 20,6 % verzeichnet.
Mit der zunehmenden Automatisierung und dem Einsatz neuer Technologien steigen laut Vietnam.vn auch die Anforderungen an Beschäftigte. Neben grundlegenden praktischen Fertigkeiten werden Kenntnisse im Bedienen von Maschinen, in der Anwendung von Software und in der Anpassung an moderne Produktionsprozesse wichtiger.
Der Bericht stellt die Berufsausbildung als einen Weg dar, praktische Fähigkeiten zu erwerben, Zugang zu Beschäftigung zu finden und eine nachhaltige Karriere aufzubauen. Entscheidend sei nicht nur der Abschluss, sondern auch die Fähigkeit, berufliche Anforderungen und aktuelle Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zu erfüllen.
„Berufsausbildung bedeutet nicht, sich mit einfachen Jobs zufriedenzugeben oder die Karrierechancen einzuschränken.“
Zusammenfassung: Hanoi verzeichnet im dritten Quartal 2026 eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Besonders technische und akademische Tätigkeiten sowie Branchen wie Elektronik, Bauwesen, Logistik, Einzelhandel und Dienstleistungen suchen Beschäftigte mit spezialisierten Fähigkeiten.
Fremdsprachenkenntnisse allein überzeugen Arbeitgeber nicht
Gute Fremdsprachenkenntnisse eröffnen Studierenden zahlreiche berufliche Möglichkeiten, reichen nach Einschätzung von Experten jedoch nicht allein aus, um Arbeitgeber zu überzeugen. Neben Übersetzung und Lehre kommen für Sprachstudierende auch Tätigkeiten im Personalwesen, in der Wirtschaft, in der Logistik und in weiteren Bereichen infrage.
Am 6. November veranstaltete die Universität für Sozial- und Geisteswissenschaften der Vietnam National University Ho Chi Minh City gemeinsam mit anderen Organisationen die Talkshow „Positionierung auf der Karrierekarte“. An der Veranstaltung nahmen über 150 Studierende der Sprachwissenschaften und der Länderstudien sowie Alumni teil, die derzeit Management- und Fachpositionen in Unternehmen innehaben.
Nguyen Thi Tham, eine ehemalige Studentin des Fachbereichs Chinesische Sprache und Literatur, berichtete über ihren fast 20-jährigen beruflichen Werdegang. Sie strebte zunächst eine Karriere im Übersetzungsbereich an, fand ihre berufliche Entwicklung jedoch in der Materialplanung und stieg anschließend in Führungspositionen auf.
Tham arbeitet derzeit als Managerin für regionale operative Abläufe im Bereich Einkauf, indirekter Einkauf und Asien-Pazifik. Für die Wahl eines geeigneten Karrierewegs empfahl sie Studierenden, Fähigkeiten, Interessen, Stärken und den Bedarf des Arbeitsmarktes gemeinsam zu berücksichtigen.
- Fähigkeiten und persönliche Stärken erkennen
- Interessen und berufliche Motivation berücksichtigen
- Gefragte Positionen und Kompetenzen recherchieren
- Die eigenen Kenntnisse an den Bedarf des Arbeitsmarktes anpassen
Ein Student, der Übersetzungsarbeit schätzt, über gute Fremdsprachenkenntnisse verfügt und einen Bedarf an Übersetzungsdienstleistungen in Unternehmen mit chinesischer oder japanischer Geschäftssprache erkennt, könne darin einen vielversprechenden Karriereweg finden. Wird eine Tätigkeit jedoch ausschließlich wegen der Marktnachfrage und nicht aus echter Leidenschaft gewählt, könne es laut Tham schwierig sein, die Motivation langfristig aufrechtzuerhalten.
Bui Pham Thuy Mien, eine Personalreferentin, erklärte, Sprachwissenschaftler könnten auch Positionen im Rechnungswesen, in der Logistik, im Personalwesen, in der Wirtschaft oder in der Prozessberatung anstreben. Fremdsprachenkenntnisse seien dabei besonders für die Zusammenarbeit mit internationalen Kunden, Partnern und Kollegen hilfreich.
Für diese beruflichen Wege müssten Studierende ihre Sprachkenntnisse jedoch durch relevante Fachkompetenzen ergänzen. Als wichtige Fähigkeiten wurden Kommunikationsfähigkeit, eine proaktive Arbeitsweise, Problemlösungskompetenz und Teamfähigkeit genannt.
„Sprachwissenschaftler können Positionen im Rechnungswesen, in der Logistik, im Personalwesen, in der Wirtschaft oder in der Prozessberatung anstreben.“
In multinationalen Unternehmen komme außerdem dem respektvollen Umgang mit kulturellen Unterschieden, verschiedenen Perspektiven und unterschiedlichen Arbeitsweisen eine besondere Bedeutung zu. Mitunter müsse das gemeinsame Ziel über das persönliche Ego gestellt werden.
Welche Anforderungen ein überzeugender Lebenslauf erfüllen soll
Die Veranstaltung befasste sich auch mit den Kriterien, die Unternehmen bei der Einstellung von Hochschulabsolventen berücksichtigen. Nach Angaben von Bui Pham Thuy Mien sollte ein überzeugender Lebenslauf ordentlich, prägnant und frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein, um Seriosität und Professionalität zu zeigen.
Außerdem müsse der Lebenslauf zur jeweiligen Stellenbeschreibung passen. Bewerber sollten jene Fähigkeiten und Stärken hervorheben, die den Anforderungen des Unternehmens entsprechen.
Als drittes Kriterium nannte Mien aussagekräftige Zahlen. Diese sollten die Teilnahme an Projekten, Forschungsarbeiten, Vereinsaktivitäten oder Praktika mit konkreten Ergebnissen belegen.
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Form | Ordentlich, prägnant sowie frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern |
| Bezug zur Stelle | Anpassung an die Stellenbeschreibung und Hervorhebung passender Fähigkeiten |
| Nachweise | Aussagekräftige Zahlen zu Projekten, Forschungsarbeiten, Vereinsaktivitäten oder Praktika |
Mien hob außerdem Eigenverantwortung, Wertschätzung und ein wachstumsorientiertes Denken als Schlüsselelemente hervor. Studierende sollten proaktiv recherchieren, Fragen stellen, Lösungen vorschlagen, Feedback annehmen und sich nach jedem Vorschlag weiterentwickeln.
Für Sprachstudierende sollte ein Lebenslauf die Fremdsprachenkenntnisse anhand von Zertifikaten, der Beherrschung der Fertigkeiten Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben sowie der Anwendung der Sprache in realen Situationen belegen. Auch Projekte, Abschlussarbeiten oder Aktivitäten, in denen eine Fremdsprache genutzt wurde, könnten aufgenommen werden.
Berufliche Kompetenz entsteht auch durch praktische Erfahrung
Pham Thi Hoai Thu, Talent Acquisition Cum Human Resources Business Partner, verwies auf typische Einschränkungen von Studierenden beim Einstieg in die Geschäftswelt. Dazu zählten Kenntnisse über Geschäftsabläufe, Technologie- und Datenkompetenzen, Kommunikations- und Stakeholder-Management-Fähigkeiten, analytisches Denken sowie Problemlösungsfähigkeiten.
Sie ermutigte Studierende, sich aktiv an Berufsberatungsprogrammen, Firmenbesuchen und Praktika zu beteiligen. Auf diese Weise könnten sie das Arbeitsumfeld besser kennenlernen und ihre beruflichen Vorstellungen mit der Praxis abgleichen.
Berufliche Kompetenz werde laut Thu nicht nur durch formale Kurse entwickelt. Auch die Anleitung durch Kollegen und Vorgesetzte sowie praktische Erfahrungen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben spielten eine wichtige Rolle.
Die Studentin Phan Uyen Phuong aus dem zweiten Studienjahr im Fachbereich Anglistik berichtete, sie habe sich zuvor für den Personalbereich interessiert. Zugleich habe sie sich gefragt, ob Studierende mit Fremdsprachenkenntnissen mit Absolventen des entsprechenden Studiengangs konkurrieren könnten.
Nach der Veranstaltung habe sie erkannt, dass Fremdsprachenkenntnisse zwar einen anfänglichen Vorteil darstellen, aber durch Fachwissen in dem angestrebten Bereich ergänzt werden müssen. Die Universität organisiert nach Angaben von Tran Dang Khoa, einem Spezialisten der Studentenabteilung, regelmäßig Aktivitäten zur Vernetzung von Studierenden mit Unternehmen, Jobmessen und Exkursionen.
Die Universität strebt zudem eine stärkere Zusammenarbeit mit Unternehmen an. Ziel ist es, 100 % der Studierenden die Möglichkeit zu praktischen Praktika zu geben.
Zusammenfassung: Fremdsprachenkenntnisse können den Berufseinstieg erleichtern, ersetzen aber keine Fachkompetenz. Arbeitgeber achten zusätzlich auf passende berufliche Fähigkeiten, praktische Erfahrung, Eigenverantwortung, Kommunikationsstärke und konkrete Nachweise im Lebenslauf.
Quellen: