KI verändert Recruiting: Bewerbungsflut trifft auf menschliche Skepsis

Autor: Provimedia GmbH

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Kategorie: News

Zusammenfassung: KI verändert Recruiting und erhöht Bewerbungszahlen, doch wegen Verzerrungsrisiken bleibt die finale Entscheidung beim Menschen; zugleich wächst der Weiterbildungsbedarf.

KI verändert Recruiting, doch die Skepsis bleibt

Die Nutzung künstlicher Intelligenz prägt den Bewerbungsprozess zunehmend. Nach Angaben von OnlineMarketing.de entsteht inzwischen jede zweite Bewerbung mit Unterstützung von KI. Gleichzeitig wollen HR-Fachkräfte die finale Einstellungsentscheidung weiterhin nicht an Systeme abgeben.

Eine Studie der KI-Plattform i10x.ai zeigt, dass KI-gestützte Bewerbungs-Screenings identische Kandidat:innen allein aufgrund des Schreibstils ihres Lebenslaufs unterschiedlich bewerten können. Bei einer Person mit identischen Qualifikationen betrug der größte Unterschied bei der Einstellungsrate im Test 42 Prozentpunkte. Lebensläufe, die mit Gemini erstellt wurden, erzielten durchschnittlich die höchsten Einstellungsraten, während Claude die Bewerbungen am strengsten bewertete.

Für die von YouGov im Auftrag von Tellent durchgeführte Studie wurden Ende April 390 Personen befragt, die sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate aktiv beworben hatten. Zusätzlich nahmen rund 270 HR-Mitarbeitende teil, darunter 224 Recruiter.

Den größten Zeitaufwand sehen HR-Fachkräfte mit 38 Prozent in der Vorauswahl passender Kandidat:innen. Es folgen die Kommunikation mit Bewerber:innen mit 33 Prozent sowie die Erstellung und Veröffentlichung von Stellenanzeigen mit 29 Prozent. Unterstützung durch KI bei administrativen Aufgaben wünschen sich 52 Prozent der Personaler:innen, während 45 Prozent eine Zeitersparnis bei der Vorauswahl von Bewerbungen erwarten.

Unternehmen, die KI regelmäßig einsetzen, berichten laut der Quelle bereits von einer Entlastung: 68 Prozent nehmen eine signifikante Entlastung im Arbeitsalltag wahr. Gleichzeitig haben nur 7 Prozent der Unternehmen KI fest in ihre Recruiting-Prozesse integriert. 35 Prozent suchen noch nach passenden Lösungen, während 29 Prozent bislang vollständig auf KI-Tools im Recruiting verzichten.

Auch Bewerber:innen setzen KI häufig ein. 50 Prozent nutzen sie für die Erstellung oder Optimierung des Anschreibens, 41 Prozent für den Lebenslauf und 34 Prozent zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Nach Einschätzung von 73 Prozent der Personaler:innen erschwert der zunehmende KI-Einsatz die Vergleichbarkeit von Bewerbungen.

Die finale Entscheidung soll dennoch beim Menschen bleiben. 88 Prozent der HR-Fachkräfte wollen die Einstellungsentscheidung auch künftig nicht an KI abgeben. Nur 3 Prozent geben an, dass das Recruiting in ihrem Unternehmen derzeit überwiegend auf KI-gestützten Datenanalysen basiert.

„Die Zukunft liegt nicht im Ersatz menschlicher Einschätzung, sondern in besseren, konsistenten Entscheidungsgrundlagen.“ – Moritz Kothe, Tellent

Zusammenfassung: KI wird im Recruiting vor allem als Unterstützung für administrative Aufgaben und die Vorauswahl gesehen. Wegen möglicher Verzerrungen, mangelnder Transparenz und fehlender Empathie bleibt die menschliche Entscheidung für die Mehrheit der HR-Fachkräfte zentral.

Bewerbungen pro Stelle steigen laut Greenhouse um 412 Prozent

Die Rekrutierungsprozesse stehen nach einem Bericht von Ad-hoc-news.de vor einer strukturellen Belastungsprobe. Der Softwareanbieter Greenhouse meldet einen Anstieg der Bewerbungen pro Recruiter um 412 Prozent.

Bei durchschnittlich 254 Bewerbungen pro offener Stelle führt der Einsatz von KI auf Bewerberseite laut Quelle zu einer Bewerbungsflut, die manuell kaum noch zu bewältigen ist. Der Greenhouse-CEO beschreibt eine Spirale, in der Kandidaten gegen Gebühr Massenbewerbungen versenden und Arbeitgeber mit KI-Filtern darauf reagieren.

Die Akzeptanz von KI-Tools bei Jobsuchenden ist ebenfalls gestiegen. Eine Umfrage von karriere.at unter rund 1.000 Teilnehmern zeigt, dass 50 Prozent KI für ihre Bewerbungsunterlagen nutzen. Im Jahr 2024 waren es noch 27 Prozent.

Am häufigsten wird KI für Anschreiben eingesetzt. Dies betrifft 87 Prozent der Befragten, gefolgt von Lebensläufen mit 56 Prozent und Bewerbungsfotos mit 11 Prozent. Der CEO von karriere.at warnt laut Ad-hoc-news.de davor, dass Personalverantwortliche typische KI-Muster zunehmend erkennen. Die Authentizität der Bewerbung bleibe trotz technologischer Unterstützung entscheidend.

Berufseinsteiger fürchten um ihre Chancen

Parallel zur steigenden Nutzung von KI verschlechtern sich laut Ad-hoc-news.de die Aussichten für Berufsanfänger. Zwei Drittel der Prüfungsgesellschaften planen, in den kommenden Jahren deutlich weniger Nachwuchskräfte einzustellen.

KI übernimmt zunehmend Routineaufgaben, die traditionell von Berufsanfängern erledigt wurden. Dadurch geraten klassische Lernkurven unter Druck, weil der Einstieg über einfache und unterstützende Tätigkeiten schwieriger werden kann.

Das „Hiring Trends Update“ von Stepstone beschreibt die Sorgen der Beschäftigten. 35 Prozent der Arbeitnehmer fürchten, durch Automatisierung überflüssig zu werden. Bei Berufseinsteigern liegt dieser Wert bei 49 Prozent, bei Führungskräften bei 22 Prozent.

Gleichzeitig spüren 76 Prozent der Befragten die Notwendigkeit, ihre Qualifikationen anzupassen. 83 Prozent haben laut Quelle bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen.

Zusammenfassung: Die Bewerbungszahlen steigen stark, während Berufseinsteiger besonders unter dem Wandel leiden. KI verändert sowohl die Auswahlprozesse als auch die Anforderungen an den Berufseinstieg.

Deutschland weist Nachholbedarf bei der Kompetenzentwicklung auf

Das PwC AI Jobs Barometer zeigt laut Ad-hoc-news.de ein deutliches Spannungsfeld zwischen der KI-Exponierung von Berufen und der Veränderung geforderter Kompetenzen. Zwischen 2019 und 2025 lag die Korrelation in Deutschland nahezu bei Null.

Global verändern sich die Anforderungen in KI-exponierten Berufen doppelt so schnell wie in Deutschland. Die Quelle stellt damit eine langsamere Anpassung des deutschen Arbeitsmarkts an die technologischen Veränderungen fest.

Eine internationale Cegos-Studie aus diesem Jahr kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. 68 Prozent der HR-Verantwortlichen sehen KI als wichtigsten Treiber des Kompetenzwandels, aber nur 32 Prozent der Beschäftigten haben eine entsprechende Weiterbildung erhalten.

Zusätzlich geben 41 Prozent der Befragten an, dass angebotene Trainings zu spät kämen. Damit entsteht eine Lücke zwischen der technologischen Verfügbarkeit von KI und ihrer praktischen Anwendung im Arbeitsalltag.

Zusammenfassung: Unternehmen erkennen die Bedeutung von KI für den Kompetenzwandel, erreichen Beschäftigte mit Weiterbildungen jedoch deutlich seltener. Der Bericht sieht insbesondere bei der rechtzeitigen Qualifizierung Nachholbedarf.

Unternehmen reagieren mit strukturierten Recruiting-Verfahren

Um die wachsende Zahl an Bewerbungen zu bewältigen, setzen Unternehmen laut Ad-hoc-news.de verstärkt auf Softwarelösungen und neue Recruiting-Strukturen. Ein Ansatz ist „Structured Hiring“, bei dem Kandidaten anhand vorab definierter Evidenzkriterien bewertet werden sollen.

Solche Verfahren sollen verlässlichere Signale liefern und die Auswahl nachvollziehbarer machen. Anbieter wie Leapsome führen zudem KI-gestützte Funktionen für Zielsetzung und Kompetenzanalyse ein.

Experten fordern außerdem eine engere Verbindung zwischen Personalstrategie und Geschäftsführung. Laut dem United Interim Wirtschaftsreport 2026 erwarten 78 Prozent der Interim Manager eine stärkere Verzahnung von HR und Strategie.

Als wirksamste Maßnahme gegen den Fachkräftemangel wird die Qualifizierung direkt am Arbeitsplatz genannt. Sie soll helfen, die Lücke zwischen technologischer Verfügbarkeit und praktischer Anwendung zu schließen.

Zusammenfassung: Unternehmen reagieren auf die Bewerbungsflut mit strukturierten Auswahlverfahren, Software und KI-gestützten Funktionen. Gleichzeitig soll HR stärker in strategische Unternehmensentscheidungen eingebunden und Qualifizierung unmittelbar im Arbeitsalltag verankert werden.

Quellen: