Recruiting im Wandel: Qualität, KI und neue Prüfmaßstäbe für Unternehmen

KI-generiert
30.10.2026 146 mal gelesen 7 Kommentare

Recruiting im Mittelstand: Prüffragen sollen Qualität von Anbietern sichtbar machen

Der Handelsblatt-Beitrag vom 30.10.2026 beschäftigt sich mit der Frage, woran mittelständische Unternehmen gute Recruiting-Anbieter erkennen können. Anlass sind gewerblich-technische Positionen, bei denen zwar Bewerbungen eingehen und erste Gespräche stattfinden, Stellen aber dennoch unbesetzt bleiben, weil Kandidaten fachlich oder persönlich nicht zur Position passen.

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Michael Fink, Geschäftsführer der Michelscom GmbH, empfiehlt Geschäftsführern, bereits vor einer Zusammenarbeit konkrete Fragen zum Vorgehen des Dienstleisters zu stellen. Entscheidend sei demnach nicht allein die Zahl der Bewerbungen, sondern ob der Anbieter nachvollziehbar erklären kann, wie passende Kandidaten identifiziert, fachlich geprüft und bis zum Vorstellungsgespräch begleitet werden.

„Wenn ein Geschäftsführer am Ende selbst herausfinden muss, ob ein Bewerber fachlich passt, ihm hinterhertelefonieren und ungeeignete Kontakte aussortieren muss, wurde ein entscheidender Teil der eigentlichen Recruiting-Arbeit auf das Unternehmen verlagert“, erklärt Michael Fink laut Handelsblatt.

Die Michelscom GmbH konzentriert sich laut dem Beitrag insbesondere auf Unternehmen aus Industrie, Handwerk und Bau. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über Erfahrung aus mehr als 4.100 Einstellungen, über 800 Partnerunternehmen und Projekte in mehr als 42 Branchen. Zusätzlich verweist Michelscom auf mehr als 150 öffentlich einsehbare Referenzen mit konkreten Unternehmen, Namen und Ergebnissen.

Ein erster Prüfpunkt ist das Verständnis der zu besetzenden Stelle. Gerade bei gewerblich-technischen Berufen können ähnlich klingende Berufsbezeichnungen unterschiedliche Aufgaben, Qualifikationen und Erfahrungen voraussetzen. Als Beispiele nennt der Beitrag die Unterschiede zwischen einem Elektroniker für Betriebstechnik und einem Elektroniker für Automatisierungstechnik sowie zwischen einem KFZ-Mechatroniker und einem NFZ-Mechatroniker.

Geschäftsführer sollten außerdem prüfen, welche Informationen der Anbieter zu Arbeitsalltag, Region und Wechselmotiven der gesuchten Fachkräfte benötigt. Nach Darstellung des Handelsblatts geht es nicht darum, dass der Recruiting-Dienstleister jedes technische Detail auswendig kennt. Relevant sei vielmehr, ob er Unterschiede erkennt, gezielt nachfragt und sich ein klares Bild von der Position verschafft.

Auch die Gestaltung der Stellenanzeige gilt als Hinweis auf die Arbeitsweise eines Anbieters. Allgemeine Botschaften wie „Wir suchen dich“ oder „Werde Teil unseres Teams“ können zwar Aufmerksamkeit erzeugen, lösen bei beschäftigten Fachkräften laut Beitrag aber häufig kein konkretes Wechselinteresse aus. Unternehmen sollten daher Anzeigen zeigen lassen, die der Anbieter bereits für andere Kunden geschaltet hat, und prüfen, ob diese auf Aufgaben, Arbeitsalltag, Vorteile und Wechselmotive der Zielgruppe eingehen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vorqualifizierung. Viele Bewerbungen allein seien wenig aussagekräftig, wenn die eigentliche Prüfung erst im Unternehmen beginnt. Geschäftsführer sollten deshalb klären, ob Bewerber persönlich kontaktiert, fachlich vorqualifiziert und nach nachvollziehbaren Kriterien aussortiert werden.

Bei Michelscom werden Bewerber laut Handelsblatt telefonisch und fachlich vorqualifiziert. Unternehmen erhalten neben dem Lebenslauf ein Empfehlungsschreiben und eine fachliche Einschätzung. Dadurch sollen bereits vor dem Vorstellungsgespräch Informationen zur fachlichen Eignung vorliegen.

Der Prozess endet aus Sicht des Beitrags nicht mit dem Eingang einer Bewerbung. Gerade gewerblich-technische Fachkräfte seien häufig bereits beschäftigt und zunächst nur offen für einen Wechsel. Der Anbieter müsse daher erklären können, wie schnell er Kontakt aufnimmt, wie er unentschlossene Kandidaten begleitet und wie er sicherstellt, dass diese erreichbar bleiben und verbindlich zum Vorstellungsgespräch erscheinen.

Die Experten der Michelscom GmbH kontaktieren Bewerber laut Beitrag in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Bewerbungseingang. Für geeignete Fachkräfte, die nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen, setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf eine Kandidatenreise in sechs Phasen über mehr als 28 Kanäle. Ziel sei es, über mehrere Berührungspunkte Vertrauen zum potenziellen Arbeitgeber aufzubauen.

Bei der Bewertung eines Dienstleisters sollten Unternehmen außerdem zwischen Reichweite, Klicks und Bewerberzahlen auf der einen und tatsächlichen Einstellungen auf der anderen Seite unterscheiden. Der Handelsblatt-Beitrag empfiehlt, nach konkreten Einstellungen, aktuellen Referenzen mit echten Unternehmen und Ergebnissen sowie nach Erfahrungen aus vergleichbaren Branchen, Regionen und Stellenprofilen zu fragen.

Auch eine mögliche Einstellungsgarantie sollte erst nach einer Prüfung der konkreten Stelle ausgesprochen werden. Bei Michelscom basiert diese Einschätzung laut Beitrag auf dem System MichelscomOS, das auf Daten aus über 4.100 Besetzungen beruht. Mithilfe einer KI-gestützten Analyse werde vorab geprüft, ob und wie eine Stelle unter den jeweiligen Bedingungen besetzbar ist; erst wenn die Analyse überzeugt, biete Michelscom eine Zusammenarbeit an.

Der Beitrag fasst die Auswahl eines Recruiting-Anbieters als Prüfung des gesamten Prozesses auf: vom Verständnis der Stelle über die individuelle Ansprache und Vorqualifizierung bis zur Betreuung und zum Nachweis tatsächlicher Einstellungen. Michael Fink betont, ein Geschäftsführer sollte nach dem ersten Gespräch nicht nur wissen, was versprochen wird, sondern auch verstehen, wie der Anbieter das Ergebnis erreichen will.

Zusammenfassung: Der Handelsblatt-Beitrag empfiehlt mittelständischen Unternehmen, Recruiting-Anbieter anhand konkreter Prozessfragen zu prüfen. Besonders wichtig sind das Verständnis der Position, individuelle Stellenanzeigen, fachliche Vorqualifizierung, die Begleitung bis zum Vorstellungsgespräch und belegbare Einstellungen.

Welser Startup Adspresso entwickelt KI-Plattform für die Fachkräftegewinnung

Das österreichische Startup Adspresso will den Aufwand bei der Besetzung offener Stellen mit der KI-Plattform TalentBlend deutlich reduzieren. Laut brutkasten fallen bei der Besetzung einer offenen Stelle rund 30 Stunden aktive Arbeitszeit an. Adspresso möchte diesen Aufwand auf unter eineinhalb Stunden senken, was einer Reduktion um 95 Prozent entspricht.

Hinter TalentBlend stehen die Gründer Daniel Muftić und Marcus Schnellinger. Das Welser Startup überführt ein Verfahren, das bisher als Agenturleistung manuell umgesetzt wird, in eine Software. Ein erstes Modul ist laut Bericht bereits als Prototyp bei einem Testkunden im Einsatz.

Das bisherige Agenturmodell kombiniert Active Sourcing, Werbeanzeigen auf Meta, TikTok, Google und LinkedIn sowie ein kurzes Bewerbungs-Quiz. Anschließend werden die Kandidat:innen telefonisch vorqualifiziert. Adspresso richtet sich dabei vor allem an wechselbereite Fachkräfte, die nicht aktiv auf Jobbörsen suchen, und nennt Industrie und Mittelstand als Zielgruppe.

Muftić und Schnellinger bringen ihr Know-how laut brutkasten aus früheren Marketing- und Recruiting-Jobs bei Resch&Frisch und BRP-Rotax mit. Die Software TalentBlend soll die einzelnen Schritte der Fachkräftegewinnung in drei Bausteinen abbilden.

Am weitesten entwickelt ist die sogenannte „Creative Engine“. Sie soll aus einer Stellenausschreibung sowie Foto- und Videomaterial eines Betriebs automatisch Werbemittel für eine Kampagne erstellen. Dabei sollen auch CI-Vorgaben und arbeitsrechtliche Anforderungen berücksichtigt werden.

„Was früher Tage an Abstimmung und Gestaltung gebraucht hat, entsteht heute aus Stellenausschreibung und Bildmaterial in einem automatisierten Ablauf“, sagt Marcus Schnellinger laut brutkasten.

Beim Testkunden, einem Industriebetrieb, verkürzt sich die Kampagnenerstellung nach Angaben von Adspresso bisher um rund 40 Prozent. Damit soll das Modul einen Prozess beschleunigen, der im Agenturgeschäft zuvor durch Abstimmung und Gestaltung geprägt war.

Ein zweites Modul ist als Voice AI vorgesehen. Es soll innerhalb einer Minute nach Bewerbungseingang ein strukturiertes Erstgespräch führen. Fragen zu Alter, Herkunft oder Gesundheit sollen technisch ausgeschlossen sein.

Der erste Prototyp konnte die Vorqualifizierung laut dem Unternehmen jedoch noch nicht verlässlich übernehmen. Schnellinger erklärte, man sei an einem Punkt, an dem erneut Grundlagenarbeit notwendig sei. Das dritte Modul befindet sich ebenfalls in Entwicklung und soll Kandidat:innen nach Qualifikation in einem Dashboard aufbereiten.

Finanziert wurden die bisherigen Prototypen aus dem laufenden Agenturgeschäft. Dessen Monatsumsatz liegt laut Adspresso bei rund 25.000 Euro. Für die weitere Entwicklung, insbesondere der Voice AI, benötigt das Startup zusätzliche Mittel und kalkuliert mit einer niedrigen sechsstelligen Summe.

Gespräche mit Förderstellen und Kapitalgebern laufen nach Angaben der Gründer bereits. Langfristig soll TalentBlend zu einem eigenständigen SaaS-Produkt werden, das Betriebe selbst bedienen können. Einen Termin für den Marktstart nennt Adspresso laut brutkasten noch nicht; dieser hängt vom Verlauf der Finanzierung ab.

  • Ausgangslage: Rund 30 Stunden aktive Arbeitszeit bei der Besetzung einer offenen Stelle.
  • Ziel: Senkung des Aufwands auf unter eineinhalb Stunden.
  • Angestrebte Reduktion: 95 Prozent.
  • Creative Engine: Automatisierte Erstellung von Werbemitteln aus Stellenausschreibung sowie Foto- und Videomaterial.
  • Testkunde: Verkürzung der Kampagnenerstellung laut Adspresso um rund 40 Prozent.
  • Voice AI: Geplantes strukturiertes Erstgespräch innerhalb einer Minute nach Bewerbungseingang.
  • Finanzierungsbedarf: Eine niedrige sechsstellige Summe.

Das Vorhaben zeigt laut Bericht den Wandel von einer manuell erbrachten Recruiting-Agenturleistung hin zu einer Plattform. Während die Creative Engine bereits bei einem Testkunden eingesetzt wird, bleiben die zuverlässige Vorqualifizierung durch Voice AI, die Finanzierung und der Marktstart noch offen.

Zusammenfassung: Adspresso will mit TalentBlend den aktiven Arbeitsaufwand bei der Stellenbesetzung von rund 30 Stunden auf unter eineinhalb Stunden reduzieren. Die Creative Engine ist als Prototyp im Einsatz, Voice AI und Dashboard befinden sich in Entwicklung; für die weitere Entwicklung wird eine niedrige sechsstellige Summe gesucht.

KI-Recruiter im Bewerbungsgespräch: Effizienz trifft auf Skepsis

Ein weiterer Handelsblatt-Beitrag untersucht, wie Bewerber den Einsatz von KI-Recruitern erleben. Im Mittelpunkt steht Felix Müller*, der sich bei einem schwedischen Lebensmittelkonzern zu einem Online-Interview einwählte und statt eines Menschen einen Avatar auf dem Bildschirm sah.

Der virtuelle Recruiter stellte laut Beitrag Standardfragen wie „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ und „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“. Der Avatar bewegte beim Sprechen den Mund, wirkte auf Müller jedoch nicht authentisch. Er beschrieb das Erlebnis als Gespräch mit einem „Telefonbot“, wie man ihn von Kunden-Hotlines kennt.

Auch erste deutsche Unternehmen setzen laut Handelsblatt KI-Recruiter für Erstgespräche mit Bewerbern ein. Für Unternehmen liegt der mögliche Vorteil darin, dass KI-Recruiter hunderte Bewerber gleichzeitig interviewen können. Die Gespräche sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich; die Systeme werden weder müde noch krank und können mehrere Sprachen fließend sprechen.

Auf diese Weise sollen große Mengen an Bewerbern abtelefoniert und Zeit sowie Geld bei den Personalverantwortlichen eingespart werden. Der Einsatz betrifft damit vor allem die erste Kontaktstufe des Recruiting-Prozesses, in der Bewerber standardisierte Fragen beantworten und Unternehmen eine Vorauswahl treffen.

Der Beitrag stellt dem Effizienzgewinn die Perspektive der Jobsuchenden gegenüber. Wenn der erste Kontakt zu einem Unternehmen nicht menschlich, sondern durch einen Avatar oder ein KI-System erfolgt, stellt sich die Frage, wie Bewerber darauf reagieren.

Insbesondere qualifizierte Bewerber könnten durch ein KI-Interview abgeschreckt werden. Damit verbunden ist die Frage, ob Unternehmen für mehr Effizienz möglicherweise mit ihrer Reputation zahlen. Der Beitrag thematisiert somit nicht nur die technische Leistungsfähigkeit von KI-Recruitern, sondern auch die Wirkung des Bewerbungsprozesses auf die Wahrnehmung eines Arbeitgebers.

AspektDarstellung im Handelsblatt
InterviewformOnline-Interview mit einem Avatar
Beispielfragen„Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ sowie „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“
KapazitätHunderte Bewerber gleichzeitig
VerfügbarkeitZu jeder Tages- und Nachtzeit
SprachenMehrere Sprachen fließend
Möglicher NutzenZeit- und Geldersparnis bei Personalverantwortlichen
Offene FrageAuswirkungen auf qualifizierte Bewerber und die Reputation der Unternehmen

Der Einsatz von KI-Recruitern verspricht damit eine standardisierte und skalierbare Bearbeitung großer Bewerbermengen. Zugleich macht das Beispiel deutlich, dass die Gestaltung des Erstkontakts entscheidend dafür sein kann, ob Bewerber den Prozess als zeitgemäß oder als unpersönlich wahrnehmen.

Zusammenfassung: KI-Recruiter können laut Handelsblatt hunderte Bewerber gleichzeitig, rund um die Uhr und in mehreren Sprachen interviewen. Gleichzeitig bestehen Bedenken, dass Avatare und standardisierte Gespräche qualifizierte Bewerber abschrecken und die Reputation eines Unternehmens beeinträchtigen könnten.

Quellen:

Hinweis zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf dieser Webseite

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Auf den KI-Avatar würde ich ehrlich gesagt auch verzichten, denn Effizienz ist schön und gut, aber gerade beim ersten Kontakt entscheidet Sympathie und Vertrauen.
Was bei den bisherigen Reaktionen noch fehlt, ist die Perspektive der Menschen, die hinterher mit diesen Systemen arbeiten müssen. Effizienz klingt natürlich erstmal gut, gerade wenn Recruiter hunderte Bewerbungen bearbeiten sollen und Fachkräfte schwer zu finden sind. Aber die eingesparte Zeit darf nicht einfach beim Bewerber landen, der dann in fünf Minuten durch einen automatisierten Fragenkatalog geschleust wird und am Ende trotzdem keine vernünftige Rückmeldung bekommt.

Besonders interessant finde ich den Unterschied zwischen den beiden KI-Anwendungsfällen. Eine Software, die aus vorhandenen Informationen bessere Anzeigen erstellt oder Kampagnen vorbereitet, sehe ich relativ entspannt. Das ist im Grunde ein Werkzeug, ähnlich wie andere Programme, die Texte, Bilder oder Daten aufbereiten. Kritischer wird es dort, wo die KI Menschen beurteilen oder vorsortieren soll. Ein kurzes Telefoninterview kann eben nicht zuverlässig abbilden, ob jemand in ein Team passt, unter welchen Bedingungen er gute Arbeit leistet oder vielleicht nur nervös ist, weil er gerade zum ersten Mal mit einer Maschine spricht.

Auch die genannten Ziele wie eine Reduktion des Aufwands von 30 Stunden auf unter eineinhalb Stunden sollte man meiner Meinung nach nicht ungeprüft als Erfolg verbuchen. Weniger aktive Arbeitszeit ist nicht automatisch ein besseres Ergebnis. Wenn dadurch viele passende Leute früh aussortiert werden oder die Kommunikation unpersönlich wirkt, spart man vielleicht im ersten Schritt Zeit und verliert später Bewerber, die man eigentlich dringend gebraucht hätte. Gerade im Mittelstand können sich Unternehmen solche Fehlentscheidungen oft weniger leisten als große Konzerne.

Was ich bei den Prüffragen für Recruiting-Anbieter sinnvoll finde, ist der Fokus auf tatsächliche Einstellungen statt auf Klicks und Bewerbungszahlen. Eine Kampagne mit vielen Reaktionen sieht im Bericht schnell beeindruckend aus, sagt aber wenig darüber aus, ob am Ende eine passende Fachkraft eingestellt wird und auch nach der Probezeit noch im Betrieb bleibt. Da wären längerfristige Kennzahlen, etwa die Verbleibdauer oder die Zufriedenheit von Unternehmen und Kandidaten, deutlich aussagekräftiger.

Außerdem sollte klar geregelt sein, wann ein Mensch eingreift. Ein KI-Erstkontakt kann funktionieren, wenn er freiwillig ist, transparent angekündigt wird und man problemlos zu einer menschlichen Ansprechperson wechseln kann. Einen Avatar als einzige Möglichkeit vorzuschalten, halte ich für riskant. Bei einem einfachen Nebenjob mag das vielleicht noch akzeptiert werden, bei anspruchsvollen Positionen oder einem Arbeitgeberwechsel mit vielen offenen Fragen wirkt es schnell lieblos.

Und dann ist da noch die Frage, wie neutral solche Systeme wirklich sind. Auch wenn bestimmte Fragen technisch ausgeschlossen werden, können Trainingsdaten und Bewertungskriterien trotzdem bestimmte Lebensläufe bevorzugen. Wer häufig den Arbeitgeber gewechselt hat, eine längere Familienphase hatte oder keinen klassischen Bildungsweg mitbringt, darf nicht automatisch schlechter bewertet werden. Eine scheinbar objektive Punktzahl kann am Ende sogar problematischer sein, weil niemand genau weiß, warum sie zustande gekommen ist.

Für mich wäre deshalb der beste Weg eine Kombination: KI für Recherche, Terminplanung, Anzeigenvarianten und die erste Organisation, aber ein Mensch für die entscheidenden Bewertungen und für den persönlichen Kontakt. Recruiting ist schließlich keine reine Abwicklung von Datensätzen. Man wirbt nicht nur für eine Stelle, sondern auch für ein Unternehmen und dessen Kultur. Wenn der erste Eindruck lautet, dass dort niemand Zeit für Bewerber hat, kann die schönste Kampagne das nicht vollständig ausgleichen.

Die Anbieter sollten also nicht nur zeigen, wie schnell ihr System arbeitet, sondern auch, wann es bewusst nicht eingesetzt wird. Genau daran erkennt man vermutlich eher einen seriösen Ansatz als an großen Versprechen und beeindruckenden Prozentzahlen.

SortierFuchs
Was in den bisherigen Kommentaren noch fehlt: Die ganze Diskussion um KI klingt oft so, als würde sie automatisch für mehr Qualität sorgen. Dabei kann KI natürlich nur so gut sein wie die Daten, Fragen und Kriterien, mit denen sie gefüttert wird. Wenn ein Unternehmen vorher schon kein klares Anforderungsprofil hat, produziert eine automatisierte Plattform vermutlich einfach schneller die falschen Kandidaten.

Gerade bei den technischen Berufen finde ich den Punkt mit den unterschiedlichen Qualifikationen wichtig. Auf dem Papier klingt vieles ähnlich, in der Praxis liegen zwischen zwei Fachrichtungen aber teilweise Welten. Ein gutes System müsste also nicht nur Lebensläufe nach Schlagworten durchsuchen, sondern auch erkennen, ob jemand tatsächlich mit bestimmten Anlagen, Fahrzeugtypen oder Arbeitsabläufen gearbeitet hat. Das ist vermutlich deutlich schwieriger als eine schöne Anzeige zu erstellen oder ein paar Standardfragen abzuspulen.

Interessant finde ich auch die Zielgröße von unter eineinhalb Stunden statt 30 Stunden Aufwand. Das hört sich erstmal beeindruckend an, aber man sollte dabei nicht nur die eingesparte Arbeitszeit messen. Wenn dadurch mehr ungeeignete Bewerber durchrutschen oder gute Kandidaten wegen einer unpassenden Ansprache abspringen, ist die Rechnung am Ende vielleicht nicht mehr so rosig. Eine Fehlbesetzung kostet schließlich nicht nur Zeit, sondern auch Geld, Nerven und manchmal das Vertrauen im ganzen Team.

Bei der Voice AI bin ich deshalb besonders skeptisch. Ein schneller Anruf nach Bewerbungseingang kann sicher hilfreich sein, gerade wenn Bewerber sonst wochenlang nichts hören. Aber ein Gespräch innerhalb von einer Minute wirkt auch schnell wie Massenabfertigung. Viele Menschen möchten zumindest das Gefühl haben, dass sich jemand mit ihrer Bewerbung beschäftigt hat. Vielleicht wäre eine Kombination sinnvoll: KI für Terminabstimmung und einfache Fragen, aber ein echter Ansprechpartner, sobald es um Motivation, Fachlichkeit oder besondere Lebensläufe geht.

Auch beim Thema Datenschutz und Transparenz hätte ich mir noch mehr Informationen gewünscht. Bewerber sollten klar wissen, ob sie gerade mit einer Software sprechen, welche Daten ausgewertet werden und wer am Ende die Entscheidung trifft. Besonders heikel wird es, wenn ein System Stimmen, Antworten oder Gesichtsausdrücke bewertet. Da kann schnell der Eindruck entstehen, dass nicht mehr die Qualifikation zählt, sondern ob jemand in ein bestimmtes digitales Muster passt.

Und noch ein Gedanke zu den Referenzen: Viele öffentlich sichtbare Beispiele sind natürlich besser als reine Werbeversprechen, trotzdem sagen auch 4.100 Einstellungen allein noch nicht alles aus. Entscheidend wäre für mich, wie viele davon nach sechs oder zwölf Monaten noch im Unternehmen waren und ob beide Seiten mit der Vermittlung zufrieden sind. Eine schnelle Besetzung ist nicht automatisch eine gute Besetzung.

Am Ende scheint mir der sinnvollste Weg ein Mittelweg zu sein. KI kann bei Reichweite, Terminierung und der ersten Sortierung viel Arbeit abnehmen. Vertrauen, Einordnung und ein Gefühl für die Person lassen sich aber nicht beliebig automatisieren. Unternehmen sollten nicht versuchen, den gesamten Recruitingprozess möglichst menschenfrei zu machen, sondern die menschliche Zeit dort einsetzen, wo sie wirklich einen Unterschied macht. Sonst spart man vielleicht am Anfang ein paar Stunden und verliert dafür genau die Kandidaten, die man eigentlich dringend gebraucht hätte.
Sehe ich auch so, der erste Eindruck is doch nicht nur ne Formalität. Wenn da gleich ein Avatar mit Standartfragen kommt, fühlt man sich eher wie ne Nummer in ner Datenbank und nicht wie ein Mensch, der vielleicht jahrelang im Betrieb bleiben soll. Für die Masse mag das effizient sein, aber die guten Leute springen vieleicht schon vorher ab.
Ich finde der Punkt mit der Messbarkeit wird in den anderen Kommentaren irgendwie noch garnicht genug beachtet. Bewerberzahlen und Klicks sehen natürlich erstmal toll aus, aber am Ende sitzt die Firma trotzdem mit leeren Stühlen da wenn niemand passt oder überhaupt auftaucht. Gerade bei technischen Berufen ist „Elektroniker“ ja nicht gleich Elektroniker, das merkt man spätestens wenn im Gespräch plötzlich ganz andere Kenntnisse gebraucht werden als vorher gedacht. Da bringt auch die schönste KI nichts wenn die Stellenbeschreibung schon am Anfang schwammig ist.

Die 24 Stunden bei der Kontaktaufnahme klingen auch vernünftig, wobei ich mich frage wie das bei kleineren Anbietern dauerhaft funktionieren soll. Nachts und am Wochenende ist ja nicht jeder erreichbar und Fachkräfte haben meistens selber einen Job, also kann man auch nicht erwarten das die sofort ans Telefon gehen. Dieses Nachfassen ist vermutlich viel mehr Arbeit als es in solchen Beiträgen klingt. Eine Bewerbung abschicken ist schnell gemacht, aber bis zum echten Vorstellungsgespräch kann noch einiges dazwischen kommen, Kündigungsfristen, Zweifel, Gegenangebote und so weiter.

Bei TalentBlend finde ich die Idee mit den Werbemitteln erstmal praktisch. Viele Betriebe haben wirklich nur eine langweilige Anzeige mit „familiäres Team“ und „attraktives Gehalt“ ohne zu erklären was man den ganzen Tag eigentlich macht. Wenn eine KI aus Bildern und Infos schneller eine brauchbare Anzeige baut, spart das sicher Zeit. Aber automatisch heist halt nicht automatisch gut. Wenn am Ende überall die selben bunten Anzeigen auftauchen und jede Firma angeblich super modern und wertschätzend ist, merkt man sich das auch nicht mehr. Und arbeitsrechtliche Prüfung durch eine Software würde ich jetzt auch nicht blind vertrauen, da reicht bestimmt schon ein falsch formulierter Satz.

Bei der Voice KI bin ich noch skeptischer. Ein Anruf innerhalb von einer Minute hört sich effizient an, aber wenn jemand gerade auf der Baustelle steht, im Auto sitzt oder einfach keine Lust hat mit einer Roboterstimme zu sprechen, ist der Vorteil schnell weg. Fragen zu Alter oder Gesundheit wegzufiltern ist sicherlich wichtig, trotzdem kann ein Gespräch unfair wirken ohne das die Software es selber merkt. Akzent, Pausen oder eine schlechte Telefonverbindung könnten vielleicht fälschlich als Desinteresse bewertet werden. Das sind dann keine offenen Diskriminierungen sondern eher technische Vorurteile, was es nicht besser macht.

Und bei dem Avatar aus dem letzten Teil bin ich voll bei BewerbungsRealist, der hat das mit Sympathie und Vertrauen schon passend gesagt, darauf wurde ja eigentlich noch nicht eingegangen. Der erste Kontakt ist doch genau der Moment wo auch das Unternehmen sich verkaufen muß. Wenn da ein künstlicher Mensch Standardfragen runterbetet, kommt schnell das Gefühl auf man sei nur eine Nummer in einer Datenbank. Besonders gute Leute haben meistens mehrere Möglichkeiten und müssen sich nicht unbedingt so ein Verfahren antun. Die gehen dann halt zur Firma, wo ein echter Mensch anruft, auch wenn deren Software vielleicht weniger effizient ist.

Für einfache Massenprozesse kann KI trotzdem nützlich sein, zum Beispiel Terminabstimmung oder erste Infos. Aber die Entscheidung wer fachlich passt und ob jemand wirklich ins Team passt sollte nicht nur aus einem Quiz und ein paar automatisch ausgewerteten Antworten entstehen. Sonst spart man vielleicht zwei Stunden im Recruiting und verliert dafür einen guten Mitarbeiter bevor er überhaupt richtig angefangen hat. Das wäre dann Effizienz am falschen Ende, aber viele Unternehmen rechnen sowas wahrscheinlich erst wenn es schon passiert ist.
Sehe ich ähnlich: Die Technik kann im Hintergrund viel Arbeit abnehmen, aber beim ersten Kontakt sollte trotzdem ein Mensch erreichbar sein. Gerade gute Fachkräfte können sich schließlich aussuchen, bei wem sie sich bewerben – da wirkt ein Avatar schnell wie Massenabfertigung.
Genau diese Skepsis finde ich wichtig, denn Bewerber sind keine Datensätze und ein unpersönlicher Erstkontakt kann trotz aller Effizienz gute Leute abschrecken.
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