Boomerang Recruiting: Warum Unternehmen ehemalige Beschäftigte zurückgewinnen wollen

KI-generiert
04.09.2026 273 mal gelesen 4 Kommentare

Boomerang Hire: Ehemalige Beschäftigte werden zur Zielgruppe der Personalgewinnung

Fachkräfte verlassen ihren Arbeitgeber und kehren Jahre später zurück. Was früher als Ausnahme galt, wird für Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels zunehmend interessant, berichtet trend.at im Beitrag „Boomerang Hire: Zurück zum Ex“ von Edith Ginz.

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Als Beispiel nennt der Artikel die ÖBB. Auf LinkedIn berichtete eine Recruiting-Leiterin der ÖBB über die Verabschiedung des Mitarbeiters Dominik L. Dabei überreichte sie ihm ein symbolisches goldenes Ticket mit der Aufschrift „Rückfahrschein“. Die Karte soll ihn dazu einladen, zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Mitarbeiter zum Unternehmen zurückzukehren.

Bei den ÖBB handelt es sich dabei nicht nur um einen Social-Media-Gag. Alle Mitarbeiter:innen der ÖBB-Infrastruktur erhalten beim Austritt diesen symbolischen Rückfahrschein. Er soll eine spätere Rückkehr ins Unternehmen bei beidseitigem Interesse in Aussicht stellen.

Das dahinterstehende Konzept wird als Boomerang Recruiting bezeichnet. Gemeint sind Mitarbeitende, die nach beruflichen Stationen bei anderen Arbeitgebern zu ihrem früheren Unternehmen zurückkehren. Angesichts des Fachkräftemangels und vielfältigerer Karrierewege entwickelt sich diese Form der Rekrutierung laut trend.at für einige Unternehmen zu einer attraktiven Ergänzung der klassischen Personalgewinnung.

AspektAngabe aus der Quelle
Rückkehrbereitschaft zu einem früheren Arbeitgeber43 Prozent
18- bis 29-Jährige in Österreich, die für einen Jobwechsel offen sind oder ihn konkret planen59 Prozent
Gültigkeit bestimmter Wiedereinstellungszusagen bei der ÖBBzwei Jahre ab Austritt

Die deutsche Studie des Marktforschungsinstituts Bilendi weist laut dem Artikel eine Rückkehrbereitschaft von Mitarbeitenden zu einem alten Arbeitgeber von 43 Prozent aus. Für den österreichischen Arbeitsmarkt gebe es bislang keine vergleichbaren Zahlen. Zugleich verweist der Beitrag auf die Xing Wechselwilligkeitsstudie 2025, wonach 59 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in Österreich für einen Jobwechsel offen sind oder diesen bereits konkret planen.

Für Unternehmen liegt der Vorteil rückkehrender Beschäftigter laut trend.at in der Verbindung von Unternehmenskenntnis und neuen Erfahrungen. Siemens Österreich sieht Boomerang Recruiting deshalb als sinnvolle Ergänzung zu klassischen Rekrutierungswegen.

„Rückkehrende Mitarbeitende verbinden das Beste aus beiden Welten: Sie kennen Siemens bereits und bringen gleichzeitig neue Erfahrungen, Methoden und Netzwerke aus anderen Organisationen mit“, sagt Lara Pyko, Head of People & Organization bei Siemens.

Diese Kombination könne Innovation und Produktivität fördern und bewährte Prozesse um externe Perspektiven ergänzen. Auch die ÖBB bewertet die Verbindung aus bestehender Betriebserfahrung und extern gewonnenen Eindrücken als wertvoll.

„Rückkehrer:innen können sich oft rascher orientieren, Abläufe besser einordnen und durch die externe Erfahrung noch viel eher neue Impulse einbringen“, sagt Martina Hacker, Konzernpersonalchefin der ÖBB.

Für die ÖBB steht Boomerang Recruiting außerdem für einen offenen Umgang mit Austritten. Eine Rückkehr müsse nicht bedeuten, dass ein früherer Austritt als endgültiger Bruch betrachtet werde. Menschen entwickelten sich weiter, sammelten neue Erfahrungen und könnten zu einem späteren Zeitpunkt wieder gut zur Organisation passen.

Besonders interessant ist Boomerang Recruiting laut dem Bericht in Bereichen, in denen qualifizierte Spezialist:innen schwer zu finden sind. Siemens beobachtet den Trend insbesondere in technischen und spezialisierten Funktionen.

  • Digitalisierung
  • Softwareentwicklung
  • Automatisierung
  • Engineering
  • Projektmanagement
  • Vertrieb

Bei den ÖBB sind Rückkehrer:innen vor allem dort willkommen, wo spezifisches Fachwissen und Betriebserfahrung eine große Rolle spielen. Dazu zählen eisenbahnspezifische Berufe, technische Funktionen, der Postbus-Bereich, die IT sowie betriebliche Aufgaben.

Die Grundlage für eine spätere Rückkehr wird nach Darstellung von trend.at bereits während der gesamten Arbeitsbeziehung gelegt. Siemens setzt auf einen wertschätzenden Offboarding-Prozess. Viele ehemalige Kolleg:innen bleiben demnach über berufliche Netzwerke, persönliche Kontakte oder Alumni-Initiativen mit Siemens verbunden.

Auch die ÖBB möchte, dass Beschäftigte das Unternehmen in guter Erinnerung behalten, wenn sie es verlassen. Der gesamte Mitarbeiter:innen-Lebenszyklus wird als zusammenhängender Prozess verstanden: vom Recruiting über das Onboarding und die Entwicklung bis zum Offboarding.

Zum Offboarding gehören bei der ÖBB Austrittsgespräche, Feedbackbögen und Alumni-Angebote. Ehemalige Praktikant:innen erhalten einen Karriere-Newsletter. Bei der ÖBB-Infrastruktur gibt es zudem ein Netzwerk für ehemalige Mitarbeiter:innen.

Das goldene Ticket ist laut Martina Hacker vor allem ein symbolisches Element des Offboardings. In einzelnen Bereichen kann es jedoch auch eine verbindliche Wiedereinstellungszusage geben.

„In einzelnen Bereichen, nämlich bei Fahrdienstleiter:innen oder im Verschub, wird individuell entschieden, ob eine echte Wiedereinstellungszusage ausgesprochen wird. Diese ist dann tatsächlich rechtlich bindend und für zwei Jahre ab Austritt gültig“, sagt Hacker.

Der Beitrag „Boomerang Hire: Zurück zum Ex“ ist laut trend.at in der trend.EDITION am 14. August 2026 erschienen.

Zusammenfassung: Boomerang Recruiting gewinnt laut trend.at angesichts des Fachkräftemangels an Bedeutung. Unternehmen wie Siemens und die ÖBB setzen auf ehemalige Beschäftigte, weil diese ihr internes Wissen mit neuen Erfahrungen verbinden können. Ein wertschätzender Abschied, Alumni-Angebote und bei der ÖBB teilweise verbindliche Wiedereinstellungszusagen sollen spätere Rückkehrmöglichkeiten unterstützen.

Quellen:

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Den Punkt mit dem wertschätzenden Offboarding finde ich entscheidend. Ich bin selbst schon aus einem Unternehmen gegangen und hätte mir damals genau so einen offenen Abschied gewünscht – dann bleibt die Tür tatsächlich offen. Nur ein goldenes Ticket allein bringt natürlich niemanden zurück, wenn sich an den eigentlichen Gründen für den Weggang nichts ändert.
Ich finde den Gedanken spannend, aber in den bisherigen Kommentaren wurde vor allem der wertschätzende Abschied und das goldene Ticket angesprochen. Was mir noch fehlt, ist die Frage nach der Fairness im Unternehmen. Wenn ehemalige Beschäftigte zurückkommen, bringen sie zwar Erfahrung und neue Ideen mit, kennen aber gleichzeitig viele interne Abläufe. Das kann ein echter Vorteil sein, darf aber nicht dazu führen, dass langjährige Mitarbeiter:innen das Gefühl bekommen, bei Gehalt oder Position übergangen zu werden.

Gerade wenn jemand nach ein paar Jahren mit besseren Qualifikationen zurückkehrt, ist eine entsprechend höhere Einstufung natürlich nachvollziehbar. Für die Kolleg:innen, die in der Zwischenzeit geblieben sind und den Betrieb am Laufen gehalten haben, sollte es aber ebenfalls Entwicklungsmöglichkeiten geben. Sonst wirkt Boomerang Recruiting schnell wie: Weggehen wird belohnt, Dableiben eher nicht. Das wäre vermutlich nicht gerade gut für die Stimmung.

Auch die erwähnten zwei Jahre bei den Wiedereinstellungszusagen finde ich interessant. Eine solche Zusage klingt zunächst sehr attraktiv, aber vermutlich muss trotzdem klar geregelt sein, zu welchen Bedingungen die Rückkehr erfolgt. Gilt das alte Gehalt? Wird die frühere Position garantiert? Was passiert, wenn sich die Tätigkeit inzwischen stark verändert hat? Je konkreter das geregelt ist, desto weniger Missverständnisse gibt es später.

Grundsätzlich halte ich es aber für sinnvoll, ehemalige Mitarbeiter:innen nicht einfach aus den Augen zu verlieren. In vielen Branchen wechseln Menschen nicht, weil sie den früheren Arbeitgeber grundsätzlich schlecht finden, sondern weil sie sich weiterentwickeln, etwas anderes ausprobieren oder privat einen neuen Lebensabschnitt beginnen wollen. Nach ein paar Jahren kann sich dann auf beiden Seiten einiges verändert haben. Vielleicht passt es beim zweiten Anlauf sogar besser als beim ersten.

Wichtig wäre für mich nur, dass Unternehmen das nicht als billige Abkürzung bei der Personalsuche missverstehen. Wenn die alten Probleme noch da sind, wird auch ein Rückkehrer wahrscheinlich nicht dauerhaft bleiben. Ein Alumni-Netzwerk oder ein Newsletter sind nett, ersetzen aber kein ehrliches Gespräch darüber, warum jemand gegangen ist und was sich inzwischen tatsächlich verbessert hat. Sonst ist der Rückfahrschein am Ende mehr Marketing als echte Perspektive.

Insgesamt sehe ich Boomerang Recruiting deshalb als gute Ergänzung, aber nicht als Wundermittel. Wer fair mit den aktuellen und ehemaligen Beschäftigten umgeht, hat vermutlich die besten Chancen, dass aus einer symbolischen Einladung irgendwann wirklich eine erfolgreiche Rückkehr wird.
Der Aspekt mit den neuen Erfahrungen gefällt mir besonders. Bei einer Rückkehr sollte man ehemalige Mitarbeiter aber nicht einfach wieder an den alten Platz setzen, sondern auch anerkennen, was sie inzwischen dazugelernt haben. Sonst verpufft der Vorteil schnell und der Neuanfang fühlt sich eher wie ein Rückschritt an.
Die Kommentare bringen es schon gut auf den Punkt: Ein wertschätzender Abschied ist wichtig, aber ein Rückfahrschein ersetzt kein ehrliches Gespräch über die Gründe des Weggangs. Was ich spannend finde, ist der zeitliche Abstand. Nach ein paar Jahren sieht man den früheren Arbeitgeber oft etwas realistischer und merkt vielleicht auch, dass nicht alles schlecht war. Gleichzeitig hat man in der Zwischenzeit neue Arbeitsweisen kennengelernt und kommt eben nicht als dieselbe Person zurück. Genau darin liegt meiner Meinung nach die eigentliche Chance für Unternehmen.

Allerdings darf Boomerang Recruiting nicht zum bequemen Ersatz für gute Personalpolitik werden. Wenn Leute wegen schlechter Führung, fehlender Entwicklungsmöglichkeiten oder dauerhaft zu hoher Belastung gehen, hilft auch ein goldenes Ticket wenig. Im schlimmsten Fall wirkt es dann eher wie ein nettes Symbol für die sozialen Medien, während sich im Alltag nichts ändert. Eine Rückkehr funktioniert wohl nur, wenn beide Seiten offen darüber sprechen, was sich verändert hat und welche Erwartungen jetzt gelten.

Die 43 Prozent Rückkehrbereitschaft finde ich trotzdem erstaunlich hoch. Viele verlassen ein Unternehmen ja nicht unbedingt im Streit, sondern weil sich eine Gelegenheit ergibt, der Wohnort wechselt oder man einfach einmal etwas anderes ausprobieren möchte. Gerade bei Spezialistinnen und Spezialisten kann es für beide Seiten sinnvoll sein, später wieder zusammenzufinden. Der Arbeitgeber spart sich zumindest einen Teil der Einarbeitung, und die zurückkehrende Person weiß schon eher, worauf sie sich einlässt. Ob die neuen Erfahrungen dann wirklich willkommen sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Ich würde mir außerdem wünschen, dass solche Angebote nicht nur für bestimmte technische oder besonders schwer zu besetzende Stellen gelten. Auch ehemalige Beschäftigte in weniger sichtbaren Bereichen können wertvolle Kenntnisse und Kontakte mitbringen. Wenn ein Unternehmen Rückkehr grundsätzlich ernst meint, sollte das nicht davon abhängen, ob gerade zufällig eine Mangelposition frei ist. Sonst bleibt am Ende doch der Eindruck, dass die Wertschätzung vor allem dann entdeckt wird, wenn jemand dringend gebraucht wird.

Interessant finde ich auch die verbindliche Zusage für zwei Jahre bei bestimmten ÖBB-Berufen. Das ist deutlich konkreter als eine freundliche Karte beim Abschied und macht das Angebot glaubwürdiger. Gleichzeitig müsste wohl klar geregelt sein, zu welchen Bedingungen die Rückkehr erfolgt, damit es später keine falschen Erwartungen gibt. Ein alter Dienstvertrag lässt sich schließlich nicht einfach einfrieren, und auch die Person hat sich beruflich weiterentwickelt.

Unterm Strich ist das ein sinnvoller Ansatz, sofern er Teil einer guten Unternehmenskultur ist. Wer Menschen beim Gehen respektvoll behandelt, hält sich tatsächlich mehr Möglichkeiten offen. Aber die Tür sollte nicht nur offenstehen, sie muss im Bedarfsfall auch noch in beide Richtungen funktionieren.
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