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KI im Recruiting: Große Offenheit, aber geringe praktische Nutzung
Obwohl 88 % der befragten Unternehmen einen Einsatz künstlicher Intelligenz im Recruiting erwägen, nutzen bislang nur 12 % die Technologie tatsächlich im Bewerbungsprozess. Das berichtet AD HOC NEWS unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom.
Für die Studie wurden zwischen Ende April und Mitte Juni 2026, in den Kalenderwochen 18 bis 25, insgesamt 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland befragt. Während 57 % der Unternehmen KI bereits im Arbeitsalltag einsetzen, bleibt die Anwendung bei der Personalgewinnung deutlich zurück.
| Anwendungsbereich | Aktuelle Nutzung | Unternehmen mit Interesse |
|---|---|---|
| Erstellung von Stellenanzeigen | 9 % | 59 % |
| Zielgruppenspezifische Ausspielung von Stellenanzeigen | 3 % | 46 % |
| KI-gestützte Erstdurchsicht von Bewerbungen | 6 % | 27 % |
| Kompetenzanalysen | 5 % | 34 % |
| KI-gestützte Bewerbungsgespräche | 2 % | Jedes sechste Unternehmen |
Besonders zurückhaltend sind die Unternehmen bei KI-gestützten Bewerbungsgesprächen. Diese Anwendung bildet mit einer Nutzungsquote von 2 % das Schlusslicht, auch wenn jedes sechste Unternehmen dieser Möglichkeit offen gegenübersteht.
„Skills-based Hiring“ rückt praktische Aufgaben und die tatsächliche Kompetenzprüfung anstelle der klassischen Lebenslaufanalyse in den Fokus.
Als Reaktion auf eine wachsende Zahl von Bewerbungen, die häufig durch Automatisierung oder KI-Tools erstellt wurden, verschieben Unternehmen ihre Strategien. Ähnliche oder für Bewerber-Management-Systeme optimierte Unterlagen erschweren die klassische Vorauswahl, weshalb praktische Aufgaben und Kompetenzprüfungen an Bedeutung gewinnen.
Infobox – wichtigste Erkenntnisse:
- 57 % der Unternehmen nutzen KI im Arbeitsalltag.
- 12 % setzen KI im Bewerbungsprozess ein.
- 88 % können sich einen Einsatz von KI im Recruiting vorstellen.
- KI-gestützte Bewerbungsgespräche nutzen 2 % der Unternehmen.
Digitale Bewerbungsprozesse sind weit verbreitet
Die technische Grundlage für eine stärkere Nutzung von KI ist in vielen Unternehmen bereits vorhanden. Digitale Bewerbungen sind bei allen befragten Unternehmen möglich, während 73 % Bewerberpools einsetzen.
| Digitales Verfahren | Nutzung | Weitere Erwägung |
|---|---|---|
| Digitale Bewerbungen | Bei allen befragten Unternehmen möglich | |
| Bewerberpools | 73 % | |
| Videointerviews | 50 % | 34 % |
| Digitale Assessments | 37 % | |
| Digitale Vertragsunterzeichnung | 32 % |
Videointerviews kommen bei 50 % der Unternehmen zum Einsatz, weitere 34 % ziehen dieses Verfahren in Betracht. Digitale Assessments nutzen 37 % der Firmen, während 32 % auf eine digitale Vertragsunterzeichnung setzen.
Ergänzend zur Bitkom-Erhebung zeigt eine Studie von BCG und der WFPMA aus dem Jahr 2026, dass 74 % der Befragten in Deutschland generative KI bereits in HR-Bereichen oder Pilotprojekten nutzen. Zugleich bewerten lediglich 24 % die digitale HR-Leistungsfähigkeit ihrer eigenen Organisation als hoch.
Eine Untersuchung von DGFP und Gallup unterstreicht die Bedeutung der Technologie für den Arbeitsalltag von Personalverantwortlichen. Danach nutzen 81 % der befragten Fachleute KI bereits täglich oder mehrmals pro Woche.
Infobox – digitale Infrastruktur:
- Digitale Bewerbungen sind bei allen befragten Unternehmen möglich.
- 73 % nutzen Bewerberpools.
- 50 % setzen Videointerviews ein.
- 37 % verwenden digitale Assessments.
- 32 % nutzen die digitale Vertragsunterzeichnung.
Rechtliche Anforderungen und Sicherheitsfragen nehmen zu
Der Einsatz von KI im Personalwesen ist mit zusätzlichen regulatorischen Anforderungen verbunden. Die EU-KI-Verordnung ist seit dem 2. August 2026 weitestgehend anwendbar.
Auch das seit dem 6. Dezember 2025 geltende NIS2-Umsetzungsgesetz ist für Unternehmen relevant. Nach den Angaben von AD HOC NEWS betrifft es schätzungsweise 30.000 Unternehmen in Deutschland, die bestimmte Schwellenwerte bei Beschäftigtenzahl oder Jahresumsatz überschreiten.
Für HR-Abteilungen bleibt außerdem die Einhaltung der DSGVO zentral. Dies betrifft insbesondere technische Maßnahmen nach Artikel 32 sowie Meldepflichten nach Artikel 33.
Eine weitere rechtliche Fragestellung wird am 2. Oktober 2026 vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf verhandelt. Dabei geht es um die Echtheit eines Facebook-Beitrags und die Frage, ob es sich um einen KI-generierten Screenshot handelt. In dem Verfahren sind unter anderem ein Administrator einer Facebook-Gruppe sowie weitere Mitarbeiter als Zeugen geladen.
Infobox – regulatorischer Rahmen:
- Die EU-KI-Verordnung ist seit dem 2. August 2026 weitestgehend anwendbar.
- Das NIS2-Umsetzungsgesetz gilt seit dem 6. Dezember 2025.
- Das NIS2-Umsetzungsgesetz betrifft schätzungsweise 30.000 Unternehmen in Deutschland.
- Die DSGVO bleibt mit Artikel 32 und Artikel 33 für HR-Abteilungen relevant.
Veraltete IT-Systeme bremsen KI-Projekte
Neben rechtlichen Fragen erschweren technische Altlasten die Einführung von KI im Personalwesen. Frank Ihnen, Manager bei GFT Deutschland, zufolge scheitern KI-Projekte häufig an veralteten Kernsystemen und Datensilos.
Als Gegenmaßnahmen empfiehlt er eine schrittweise Modernisierung der IT-Landschaft. Zusätzlich nennt er Kontrollmechanismen, sogenannte „Guardrails“, sowie menschliche Freigaben.
Wie groß die Sicherheitsrisiken sein können, zeigt eine Befragung von Veeam und Censuswide vom April 2026. Befragt wurden 1.000 IT-Entscheider in der EMEA-Region; 70 % der Unternehmen meldeten unbeaufsichtigte KI-Abläufe mit sensiblen Daten.
Experten wie Ismael Valenzuela vom SANS-Institut raten deshalb zu einer konsequenten Inventarisierung von KI-Agenten und zur Umsetzung von Zero-Trust-Strategien. Damit soll besser nachvollziehbar werden, welche KI-Systeme eingesetzt werden und wie sie mit sensiblen Informationen umgehen.
Infobox – technische Risiken und Maßnahmen:
- Veraltete Kernsysteme und Datensilos bremsen KI-Projekte.
- Guardrails und menschliche Freigaben werden als Kontrollmechanismen empfohlen.
- 70 % der befragten Unternehmen meldeten unbeaufsichtigte KI-Abläufe mit sensiblen Daten.
- Empfohlen werden die Inventarisierung von KI-Agenten und Zero-Trust-Strategien.
Quellen:














