Inhaltsverzeichnis:
Jobsuche für Hochschulabsolventen dauert im Schnitt 4 Monate
Master-Absolventinnen und -Absolventen suchen in Deutschland im Schnitt 21 Wochen nach ihrem ersten richtigen Job. Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen benötigen durchschnittlich 13 Wochen. Das berichtet Markt & Mittelstand unter Berufung auf eine Befragung von Stepstone und Studydrive.
Gleichzeitig beklagen 73 Prozent der Unternehmen einen Nachwuchsmangel. Einen strukturierten Einstieg bieten jedoch deutlich weniger Firmen: 46 Prozent stellen Werkstudierende oder Praktikantinnen und Praktikanten ein, während 19 Prozent Traineeprogramme anbieten. Damit stehen einem hohen Bedarf an jungen Fachkräften vergleichsweise wenige Einstiegsmöglichkeiten gegenüber.
Infobox: Master-Absolventinnen und -Absolventen benötigen durchschnittlich 21 Wochen bis zum ersten Job, Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen 13 Wochen. 73 Prozent der Unternehmen melden Nachwuchsmangel.
Berufseinstieg wird von vielen Studierenden als schwierig erlebt
Die Zahlen stammen aus einer Befragung von Stepstone und Studydrive, für die im November 2025 rund 4.500 Menschen in Deutschland befragt wurden. Dazu gehörten Studierende, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie Personalverantwortliche.
Vor dem Abschluss blicken 76 Prozent der Studierenden optimistisch auf ihre berufliche Zukunft. Sobald die konkrete Jobsuche beginnt, verändert sich die Einschätzung jedoch deutlich: 56 Prozent empfinden den Einstieg als schwierig. In der Zusammenfassung der Untersuchung wird zudem angegeben, dass nur 44 Prozent die reale Jobsuche als unproblematisch bewerten.
Nach Darstellung von Markt & Mittelstand entsteht damit eine Lücke zwischen den Erwartungen vor dem Abschluss und den Erfahrungen bei der Bewerbung. Junge Talente treffen auf einen Arbeitsmarkt, in dem Unternehmen Nachwuchs suchen, zugleich aber hohe Anforderungen und begrenzte Einstiegsmöglichkeiten bestehen.
Infobox: 76 Prozent der Studierenden sind vor dem Abschluss optimistisch. 56 Prozent empfinden den Berufseinstieg als schwierig, und 44 Prozent bewerten die reale Jobsuche als unproblematisch.
Praxiserfahrung gilt als entscheidender Türöffner
Eine zentrale Rolle spielt laut der von Markt & Mittelstand dargestellten Befragung die Praxiserfahrung. 41 Prozent der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sagen, dass ihnen ein Praktikum oder eine Werkstudententätigkeit den Einstieg entscheidend erleichtert habe. Für 34 Prozent war diese Erfahrung sogar das direkte Ticket zur Festanstellung.
Dem steht gegenüber, dass nur 46 Prozent der Unternehmen Werkstudierenden- oder Praktikumsstellen anbieten. Traineeprogramme gibt es bei 19 Prozent der Firmen. Damit fehlt vielen Studierenden und Absolventinnen und Absolventen gerade die Möglichkeit, jene Erfahrung aufzubauen, die später häufig in Stellenanzeigen erwartet wird.
- 41 Prozent sagen, dass Praxiserfahrung den Einstieg entscheidend erleichtert hat.
- 34 Prozent berichten, dass Praxiserfahrung direkt zur Festanstellung führte.
- 46 Prozent der Unternehmen stellen Werkstudierende oder Praktikantinnen und Praktikanten ein.
- 19 Prozent der Unternehmen bieten Traineeprogramme an.
Infobox: Praxiserfahrung erleichtert nach Einschätzung von 41 Prozent der Berufseinsteiger den Einstieg entscheidend. Für 34 Prozent führte sie direkt zur Festanstellung.
Unrealistische Anforderungen und fehlende Rückmeldungen
Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen nach Angaben von Markt & Mittelstand durch die Formulierungen vieler Stellenanzeigen. 67 Prozent der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger empfinden die Anforderungen für vermeintliche Einstiegspositionen als unrealistisch. Dazu zählt insbesondere der Widerspruch, dass Unternehmen Berufserfahrung erwarten, obwohl sich diese häufig erst im Beruf erwerben lässt.
Auch die Kommunikation im Bewerbungsprozess wird kritisch bewertet. 71 Prozent erleben regelmäßig, dass sie keine Rückmeldung erhalten. Diese Funkstille verlängert die Jobsuche und belastet die Wahrnehmung des Bewerbungsprozesses. Mehr als die Hälfte der jungen Talente hat zudem das Gefühl, dass ihre Kompetenzen nicht gefragt seien.
„Der Berufseinstieg ist für viele deutlich schwieriger geworden, weil Erwartungen und Realität am Arbeitsmarkt auseinanderlaufen“, sagt Dr. Christina Langer, Senior Economist bei The Stepstone Group.
Langer zufolge wollen Unternehmen Nachwuchs gewinnen, verlangen aber gleichzeitig Erfahrung, die sich nur im Job selbst aufbauen lasse. Markt & Mittelstand beschreibt diesen Zusammenhang als Zirkelschluss, der junge Menschen bei der Suche nach dem ersten Job ins Leere laufen lässt.
Infobox: 67 Prozent halten die Anforderungen in Stellenanzeigen für unrealistisch. 71 Prozent berichten regelmäßig von ausbleibenden Rückmeldungen im Bewerbungsprozess.
Unternehmen sollen Einstiegshürden senken
Für Unternehmen ergibt sich laut Markt & Mittelstand ein unmittelbarer Handlungsbedarf. Wer keine Einstiegschancen schafft, riskiert demnach, im Wettbewerb um künftige Fachkräfte zurückzufallen. Als Ansatzpunkte werden realistischere Stellenanzeigen, mehr Praktika, zusätzliche Werkstudierendenstellen und weitere Traineeprogramme genannt.
Auch schnellere Recruiting-Prozesse sollen die Chancen junger Fachkräfte verbessern. Nach Einschätzung von Dr. Christina Langer entscheidet sich an den Einstiegsmöglichkeiten, welche Unternehmen Talente von morgen gewinnen und welche im Wettbewerb das Nachsehen haben.
- realistischere Anforderungen in Stellenanzeigen formulieren
- mehr Praktika und Werkstudierendenstellen anbieten
- Traineeprogramme ausbauen
- Recruiting-Prozesse beschleunigen
- Einstiegshürden für junge Fachkräfte senken
Infobox: Unternehmen sollen nach den im Artikel genannten Empfehlungen mehr Praxiserfahrung ermöglichen, Anforderungen anpassen und Bewerbungsprozesse schneller gestalten.
Quelle und Datenbasis
Quelle: Markt & Mittelstand, Artikel „21 Wochen Jobsuche: Unternehmen erzeugen ihren Fachkräftemangel selbst“, veröffentlicht am 25. Juli 2026. Datenbasis: Stepstone/Studydrive-Befragung im November 2025 mit rund 4.500 Teilnehmenden in Deutschland.
Quellen:












